Historisches „Manheimer Kreuzchen“ am „Decke Boom“ feierlich wiedererrichtet


Kerpen-Manheim. Am 26. November 2025 wurde das historische Wegekreuz, bekannt als das „Manheimer Kreuzchen“ oder „Mordkreuz des Adam und Michael Gratz“, feierlich am sogenannten „Decke Boom“ wieder aufgestellt und von Pfarrer Ludger Möers eingesegnet.
Das Originalkreuz[1], das einst zwischen Blatzheim und Manheim stand, war in den 1950-er Jahren an die Friedenseiche „Decke Boom“ versetzt worden und verschwand in den 1980-er. Auf Anregung der ehemaligen Ortsvorsteherin Lonie Lambertz und in Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde der Kolpingstadt Kerpen wurden im Frühjahr 2024 die Planungen für eine Wiederherstellung an der ursprünglichen Umgebung, neben dem "Decke Boom" an der Einfahrt zu Haus Forst an der K 53, aufgenommen.
Ein Kreuz mit tragischer Geschichte
Das steinerne Sühnekreuz erinnert an ein tragisches Ereignis:
Opfer: Michael Graetz und sein Sohn Adam Graetz aus Langenich bei Kerpen.
Todestag (Lt. Kirchenbuch): 27. Mai 1772, mörderischerweise erschossen[2].
Die lokale Überlieferung berichtet[3], dass die beiden als Wilderer, die einen Hirsch erlegt hatten und auf dem Weg nach Hause waren, von Jagdgehilfen beschossen wurden, als sie an der Eiche eine Rast einlegten. Ein anderes Schriftstück erwähnt[4], dass der Bräutigam, ein Wilderer, mit seinem Vater einen Rehbock für seine Hochzeit in Langenich holen wollte und beide auf dem Weg von Metternichs pflichtgetreuem Förster erschossen wurden. Der Förster soll ein halbes Jahr später aus Gram gestorben sein.
Die Inschrift des verschwundenen Steinkreuzes lautete: "Hier starben am 27. Mai 1772 Vater und Sohn Michaelis und Adamus Gratz aus Langenich bei Kerpen, mörderischerweise erschossen. R.I.P.".
Der Standort "Decke Boom"
Der Aufstellungsort, der "Decke Boom", ist eine majestätische, wuchtige alte Jagdeiche und ein Wahrzeichen für den ehemals gerodeten Wald. Die Eiche diente im 17. Jahrhundert als Rastplatz für schwere Mühlenfahrzeuge, die von Morschenich nach Blatzheim zur Mühle fuhren. Das neue, nachgebildete Kreuz wurde nun in unmittelbarer Nähe dieses historischen Ortes aufgestellt, neben der Eiche, die an der Einfahrt zu Haus Forst an der K 53 steht.
Dank der Kolpingstadt Kerpen für die historische Wiederherstellung
Mit der Wiedererrichtung des Kreuzes am "Decke Boom" erhält Manheim ein wichtiges historisches Wahrzeichen und einen Ort der Erinnerung zurück. Die Wiederherstellung des Wegekreuzes wurde von der Kolpingstadt Kerpen ermöglicht. Entwurf und Ausführung erfolgten durch die Bildhauerwerkstatt Zachlod Kanitz, Kerpen
[1] Hans Elmar Onnau, Kerpen 1994, Aus der Geschichte des Kirchspeils und Gerichts Blatzheim
[2] Verkartung der Kirchenbücher der Kath. Pfarre “St. Martinus” Kerpen, Sterbefälle 1716 – 1804
[3] Hans Elmar Onnau, Kerpen 1994, Aus der Geschichte des Kirchspiels und Gerichts Blatzheim
[4] Veröffentlichung in der Kölnischen Rundschau 29. März 1985 „Wahre Begebenheit aus der Heimat“

Der Decke Boom (Quelle: Kölnische Rundschau 29. März 1985)
